Geschichte

Zeestow wurde 1346 als Zcesto erstmals urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich wahrscheinlich vom Perso­nen­namen Tschest ab. Jahrhundertelang hatte die Familie von Bredow die Gutsherrschaft und das Kirchenpatronat. Die Epitaphe auf dem alten Zeestower Friedhof erinnern noch daran.

Im Jahre 1847 widerfuhr Zee­stow ein Großbrand. Fast alle Gebäude, auch die Kirche, wurden zerstört. Mit Hilfe des Kirchenpatronats und einer landesweiten Kollekte ge­lang es dem damaligen Zee­stower Pfarrer Julius Drake in wenigen Jahren, die erfor­derlichen Mittel für den Wiederaufbau der Zeestower Kirche zu akquirieren. Die Kirche wurde 1851 von Generalsuperintendent Neander wieder eingeweiht.

Nach dem 2. Weltkrieg waren viele Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten in Zee­stow untergebracht. Davon profitierte zunächst auch die Kirchengemeinde. Nach der Zuordnung der Kirchengemeinde Zeestow zur Pfarrstelle in Brieselang wurde das Zeestower Pfarrhaus 1962 zum Rüstzeitheim des Kirchenkreises Fal­ken­see umfunk­tioniert. Seitdem diente es zahlreichen Christenlehre-, Konfirmanden und Ju­gend­gruppen des Kirchenkreises und der Landeskirche als Unterkunft für Rüst- und Frei­zeiten. In den Jahren 2005 und 2010 diente das Haus weißrussischen Kindern aus der Umgebung des kollabierten Atomkraftwerks in Tschernobyl zur Erholung in den Sommerferien. In den Jahren 2015/16 wurde das Haus als Notunterkunft für Flücht­linge an den Landkreis Havelland vermietet. Eine von Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt gegründete Willkommensgruppe (ZGG = Zeestows Gute Geister) hieß die Flüchtlinge in Zeestow willkommen und bot Deutschunterricht und Freizeitbeschäftigungen an.

Alles in allem erwies sich die Aufhebung der Zeestower Pfarrstelle nach dem zweiten Welt­krieg nicht als segensreich. Um die Kirchengemeinde und ihre Dorfkirche war es nicht gut bestellt. Die Gemeinde hatte seit Anfang der 80er Jahre keinen eigenen Ge­meindekirchenrat mehr, wurde zu­nächst durch einen Bevollmächtigtenausschuss und dann durch den Kreiskirchenrat verwaltet, die Kirche verfiel und das Rüstzeit­heim schrieb rote Zahlen.

Die politische Wende 1989/90 brachte für das havelländische Dorf Zeestow Chancen und Pro­bleme mit sich. Trotz der neu errungenen und freudig begrüßten Freiheiten war der Neubeginn für die damals 269 Einwohner, die fast ausschließlich von der Landwirtschaft lebten, nicht einfach. Für die versprochenen blühenden Landschaften brauchte es viel Fantasie und Optimismus. Nach 1990 schien vieles zusammenzu­brechen. 160 Menschen aus der Genossenschaft, mehr als die Hälfte aller Einwohner, wurden mit einem Schlag arbeitslos. Trotz der schwierigen Lage gab man nicht auf. Die da­mals noch hauptamtliche Bürgermeisterin Marianne Schulze suchte zusammen mit der Gemeindevertretung nach Wegen, um den Schwierigkeiten entgegenzu­steu­ern. Fachleute machten sich an Bestandsaufnahmen, entwarfen einen Dorf­entwick­lungs- und Flächennutzungsplan. In Neu-Zeestow jenseits der Autobahn entstand ein neues Wohngebiet. Im Jahre 2003 wurde Zeestow im Rahmen der Kommunalgebiets­reform zusammen mit der Gemeinde Bredow in die Kommune Brieselang einge­mein­det. Zee­stow brachte damals knapp ca. 550 Einwohner mit.

Auch für das Rüstzeitheim Zeestow stellte die politische Wende von 1989/90 eine Zäsur dar. Aufgrund seiner Lage und der sehr einfachen Einrichtung und Ausstattung konnte das Haus nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Im Jahre 2002 wurden im Obergeschoss zwei kleine Mietwohnungen eingerichtet, die für bescheidene, aber regelmäßige Einkünfte sorgten.

Die unbefriedigende Entwicklung führte dazu, dass im Jahre 2008 durch den Vor­sit­zenden der Kollegialen Leitung des Kirchenkreises Falkensee, Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt, und den Präses der Kreissynode, Michael Peukert, ein Kuratorium einge­richtet wurde, das Konzepte für die Zukunft des Hauses entwickeln sollte.

Dieses Kuratorium sorgte für die Einrichtung einer Minijobstelle (Hartmut Müller) und legte im Frühjahr 2016 der Kreissynode ein integriertes Nutzungs-, Sanierungs- und Finanzierungs­konzept vor. Dieses Gesamtkonzept wurde von der Kreissynode diskutiert und mit großer Mehrheit verabschiedet. Im lfd. Jahr 2017 wird die Sanie­rung und Modernisierung des Hauses unter der Leitung von Dipl.-Ing. Architekt Ronald Mewes aus Dallgow durchgeführt.  Am 1.1.2018 soll das neue Freizeitheim „Bei den Aposteln“ wieder eröffnet werden.

Mit dem Wiederaufbau der Kirche und ihrer Nutzung als Autobahnkirche sowie mit der anspruchs­vollen künstlerischen Ausgestaltung und mit der Neueröffnung des Rüst- und Freizeitheims „Bei den Aposteln“ wird nicht weniger als eine Wieder­be­lebung des Dorflebens erwartet. Diese Erwartung scheint sich zu erfüllen. Das Dorf erhält seine bauliche, optische, religiöse und geistig-kulturelle Mitte zurück. Der nun wieder weithin sichtbare Kirchturm weckt Stolz und Selbstvertrauen. Und das Rüst- und Freizeitheim wird Kinder- und Jugendgruppen und andere interessierte Gäste nach Zeestow führen und dem lange vergessenen Ort einen Namen machen.